Versorgung in Bremerhaven-Mitte: Verantwortung klar benennen
Die Koalitionsfraktionen von SPD, CDU und FDP nehmen die jüngsten Äußerungen des Ärztlichen Direktors von AMEOS in Bremerhaven, Dr. Oliver Herden-Kirchhoff, zur Zukunft des Standorts Mitte zur Kenntnis. Der Hinweis auf den Bedarf an einer ambulanten Anlaufstelle im Zentrum – insbesondere für ältere Patientinnen und Patienten – ist nachvollziehbar.
Aus Sicht der Koalitionsfraktionen greift die Debatte jedoch zu kurz, wenn dabei ausgeblendet wird, wie die heutige Situation entstanden ist. Mit der Schließung des Klinikums Mitte und der dortigen Notaufnahme sowie der Verlagerung der beiden chirurgischen KV-Sitze vom Martin-Donandt-Platz an den Standort Bürgerpark wurde das medizinische Angebot im Stadtteil Mitte deutlich geschwächt. Diese Entscheidungen liegen im Verantwortungsbereich von AMEOS.
Der Bezirksstellenvorsitzende der Ärztekammer in Bremerhaven, Dr. Jan Helge Kurschel, hat dazu einen fachlich klaren und pragmatischen Vorschlag gemacht: Die chirurgischen KV-Sitze könnten nach entsprechender Antragstellung wieder im Zentrum angesiedelt werden und damit kurzfristig zu einer spürbaren Verbesserung der Versorgung beitragen.
„Der von Dr. Kurschel aufgezeigte Weg ist sachlich richtig und sofort umsetzbar“, erklärt Jörn Hoffmann, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. „Wenn wir über eine Anlaufstelle im Zentrum sprechen, dann ist die Rückverlagerung der chirurgischen Sitze ein naheliegender erster Schritt.“
Günna Dertwinkel, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, betont: „Gespräche sind sinnvoll, wenn sie auf konkretem Handeln aufbauen. Sie ersetzen aber nicht die Verantwortung eines Trägers für Entscheidungen, die er selbst getroffen hat.“
Bernd Freemann, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, stellt klar: „Die Rückverlagerung der chirurgischen KV-Sitze nach Bremerhaven-Mitte würde genau die Anlaufstelle schaffen, die Herr Dr. Herden-Kirchhoff selbst fordert – für ältere Patientinnen und Patienten ebenso wie für die übrige Bevölkerung. Diese Möglichkeit liegt allein bei AMEOS.“
Freemann weiter:
„Vor diesem Hintergrund sind öffentliche Aussagen, wonach nun in erster Linie die Politik gefordert sei, erklärungsbedürftig. Wer eine Versorgungslücke selbst verursacht hat und sie eigenständig schließen kann, sollte Verantwortung übernehmen, statt sie weiterzureichen.“
Ein zusätzlicher Runder Tisch ist aus Sicht der Koalitionsfraktionen nicht erforderlich. Zwischen der Gesundheitsdezernentin und AMEOS finden bereits regelmäßig Gespräche statt. Öffentliche Forderungen über die Presse sind vor diesem Hintergrund nicht zielführend. Entscheidend ist, dass die bestehenden Gesprächsformate genutzt und konkrete Schritte zur Stärkung der Versorgung in Bremerhaven-Mitte umgesetzt werden.